Wissenswertes

 

 

Einstmals war die ca. dreimal so große Insel Strand, als das heutige Nordstrand es ist, mit dem Handelsplatz Rungholdt ein wirtschaftliches Zentrum über die Region hinaus. Mit der heftigen Sturmflut des Jahres 1634, der sogenannten "2. groten Mandränke" zerbrach die Insel Strand in einzelne Teile. Die reiche Handels-Metropole Rungholdt, die in der Region um die heutige, kleine Hallig Südfall vermutet wird, versank in den Fluten. Die verbliebenen Reste des alten Strand finden sich heute in der Insel Pellworm, der Insel Nordstrand und den Halligen Hamburger Hallig und Nordstrandischmoor

 

 

 

Der Sturmflutkelch ist wieder zuhause.

 

 

 

 

 

Sturmflutkelch von Nordstrand (Replikat)

 

                                                                                     (Photo: Martin Seeger)

 

 

Es ist eine ziemlich lange Geschichte, die hinter dem sogenannten Sturmflutkelch steckt. Im Jahre 1459 stiftete der bekannteste Nordstrander Staller Laurens Leve den reich verzierten goldenen Abendmahls-Kelch der Kirche zu Morsum auf Nordstrand. Kostenbewusst verwendete man schon damals keinen Granat oder Rubin, sondern Bergkristall und legte ein rotes Material darunter, so dass die Bergkristalle wie teure Edelsteine wirken.

 

Anlässlich der 2. Groten Mandränke 1634 wurde die Morsumer Kirche zerstört, der Kelch jedoch konnte aus den Fluten gerettet werden. Er kam daraufhin in die Kirche auf der Hallig Nordstrandischmoor. Dort geriet er durch die Sturmflut von 1825 erneut in die Fluten. Wie ein Wunder wurde er abermals angespült und gerettet. Da die Kirche Nordstrandischmoor allerdings aufgegeben werden musste, wurde Nordstrands bedeutenster sakraler Gegenstand nun der Dänischen Obrigkeit übergeben und gelangte dadurch nach Kopenhagen in das Dänische Nationalmuseum, wo er heute noch steht und zu sehen ist. Seine zweimalige Sturmflut-Odyssee brachte dem Kelch seinen heutigen Namen Sturmflutkelch ein.
 

Bereits seit 2011 bemühten sich Mitglieder des Förderverein für Kultur auf Nordstrand e.V., unter ihnen insbesondere der Journalist und Wahl-Nordstrander Manfred-Guido Schmitz, um die, wie sich später herausstellte, recht aufwändige und kostenträchtige Anfertigung einer Nachbildung des Sturmflutkelches, der hierzulande weitgehend in Vergessenheit geraten war. Dank des Einverständnisses des Dänischen Nationalmuseums und mit Unterstützung von mehr als einem Dutzend grosszügiger Spender wurde es nach jahrelanger Vorarbeit möglich, ein Replikat des Kelches durch die Nordfriesische Metallkunst Gerd Beliaeff, Husum, anfertigen zu lassen.
 

Träger dieses Projektes war und ist der Förderverein für Kultur auf Nordstrand e.V. Parallel dazu entstand unter der Trägerschaft des Nordstrander Heimatvereins ein Dokumentarfilm des Projektes vom Husumer Filmemacher Martin Tiefensee.

 

Die Nachbildung des Sturmflutkelchs wurde am 4. April 2015 während einer dafür anberaumten Veranstaltung in der Kurverwaltung Nordstrand der Öffentlichkeit vorgestellt und ist damit schliesslich wieder zu Hause angekommen. Er steht derzeit in der Filiale der Husumer Volksbank auf Nordstrand und kann dort betrachtet werden. Es ist vorgesehen, das er mittelfristig in der Alt-Katholischen Theresienkirche einen festen Platz bekommt, wo er nicht bloss ausgestellt, sondern auch zu kirchlichen Feiern eingesetzt wird.

Text:   Manfred Guido Schmitz und Martin Seeger, Nordstrand